Ob das mal gut geht: Texten 4.0

Sie geben sich derzeit die Klinke in die Hand, die Zukunftsmusik über die Industrie 4.0 und ihre Fortschrittsverlierer, die Horrorgeschichten über Robotertexter und deren Worteffizienz und was ganz was anderes: der hohe Wert des Storytellings im crossmedialen Marketing-Mix.

img-schreibenAuf der einen Seite geht es also um die Wirtschaftlichkeit durch Maschinen, auf der anderen um berührende Geschichten von Menschen für Menschen. Immer jedoch geht es um Kommunikation. Geht das zusammen und: Geht das gut?

 

 

 

Big Data + optimale Vernetzung = Super-Fertigung

Weil Maschinen zukünftig besser miteinander kommunizieren, kann besser und effizienter gefertigt werden. So das stark vereinfachte Fundament von Industrie 4.0. warum das so ist? Weil die Fabrik der Zukunft ziemlich schlau ist: Dank Big Data kennt sie krass viele Daten von krass vielen Kunden – und nutzt sie. Ähnlich also wie der Weihnachtsmann kennt die neue Industrie die Wünsche ihrer Kunden – und erfüllt sie. Das Prinzip: sammeln und verwerten. Der Clou: schnellere und effizientere Ergebnisse. Das wird bald Wirklichkeit bei industriell gefertigten Produkten. Das gibt es schon bei maschinell geschriebenen Texten.

Daten rein, Text raus. Fertig ist das journalistische Meisterwerk?

Retresco bietet sie schon an, automatisch generierte Texte. „Wie von Menschen geschrieben“ wirbt das Unternehmen für seine Dienste. Die aktuelle Ausgabe von brand eins 07/15 beschreibt das Ergebnis der Software Wordsmith auf S. 100 etwas softer: „Die Algorithmen des Schreibroboters produzieren Meldungen, die sich lesen, als hätte sie in leicht gelangweilter Redakteur geschrieben“. Die Kernaussage ist also ziemlich gleich, nur der Tonfall ein anderer. Und mal ehrlich: was liest sich denn schöner und vor allem nachhaltiger?

Vor allem Sportberichte und Produktbeschreibungen für den E-Commerce sollen sich mit Hilfe von Roboterjournalsimus effizient fertigen lassen. Schaun wir mal. Ich persönlich möchte mir keine Dessous im Online Shop kaufen, die ein gelangweilter Schreiberling runterprogrammiert hat. Anhand von Daten. Ohne Emotionen.

Software als Chance?

Trotzdem gehöre ich, glaubt man der aktuellen Berichterstattung, zu den Fortschrittsverlierern. Denn ich bin Texterin und zukünftig in weiten Teilen durch einen Roboter ersetzbar. Das klingt jetzt souverän dahingeschrieben, ist aber das Ergebnis eines wochenlangen Prozesses der Selbstfindung oder besser gesagt der Selbst-neu-erfindung. Denn was soll ich denn machen, wenn ein Roboter meinen Job macht? Genau: ich mache einfach weiter wie bisher. Denn was der Roboterjournalismus nicht kann ist berühren, begeistern, Kritik üben und Geschichten erzählen. Und mal ehrlich? Sind nicht genau das die Zutaten, die einem Text, einem Blog, einer Kolumne und überhaupt dem gesamten Content für das Marketing die richtige Würze verleihen?

Das Resümee der Wirtschaftsjournalistin Pamela Patterson in der genannten brand eins-Ausgabe über den Einsatz von virtuellem Journalismus hat mir dafür Mut gemacht: „Ich habe dank Wordsmith drei volle Stellen eingespart. Aber die Leute wurden nicht entlassen, sondern dürfen sich endlich richtigem Journalismus zuwenden, können recherchieren und kluge Gedanken entwickeln. Meine Kollegen sind glücklich, dass wir Wordsmith haben, denn er erledigt die Aufgaben, zu denen sie keine Lust haben“.

Jetzt muss es uns nur noch gelingen, Unternehmen zu überzeugen. Davon, dass die Effizient der Wortroboter Grenzen hat. Denn diese Art des datenbasierten Textoutputs hat kein Potenzial für Blogs, kein Gespür für Storytelling und keine nachhaltige Wirkung. Denn was ist es denn, was Marken, Unternehmen und News heute so einzigartig macht, dass wir sie in unseren Sozialen Netzwerken teilen und goutieren? Witz, Charme, Authentizität, Ereignischarakter und Ausstrahlung. So könnten Robotertexte eine Chance sein: für einzigartige Produktbeschreibungen und Webseiten, für kreative Kampagnen und für kritische Köpfe.

Bild © Sabine Saldaña Bravo

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About Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.
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Über Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.

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