Schon wieder ein neues Jahr

Ganz ehrlich? Allein schon die Bezeichnung „neues Jahr“ setzt mich irgendwie unter Druck. Jedes Mal nach jedem 1. Januar habe ich das Gefühl, ich müsste etwas ändern. Dinge anders machen. Besser werden. In jeder Hinsicht. Als ob ich nicht gut genug wäre, oder als ob das vergangene Jahr komplett nix war.

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Allein diese Gedanken sind irgendwie einschneidend. Denn eigentlich mag ich Veränderungen nicht so gerne. Also ab und zu mal etwas anderes sehen, essen oder hören, da bin ich dabei. Aber wirklich etwas verändern möchte ich nicht. Ja, ja, ich sehe nun schon den einen oder anderen seinen Kopf schütteln: „mei, ist die faad“. Mir ist aber gar nicht faad. Jedenfalls nicht mit mir. Und mit meinem Leben ist mir schon gar nicht langweilig. Weil das so ist, habe ich eine große Befürchtung: Ich glaube, ich bin zufrieden.

Um sicher zu sein, habe ich das Wort Zufriedenheit nun mal gegoogelt. Wikipedia zitiert den Duden „Zufriedenheit ist gemäß dem Bedeutungswörterbuch des Duden:
a) innerlich ausgeglichen zu sein und nichts anderes zu verlangen, als man hat;
b) mit den gegebenen Verhältnissen, Leistungen o. ä. einverstanden zu sein, nichts auszusetzen zu haben“

Nach dieser Definition würde ich mich nun darauf verständigen wollen, dass ich größtenteils zufrieden bin. Denn hin und wieder verlange ich schon, was ich nicht habe. Zum Beispiel hätte ich gerne mehr Sonne und mehr Feiertage. Das wär`s aber im Großen und Ganzen. Zumindest im Moment. Das könnte ein Problem sein, denn das gibt jetzt irgendwie keinen Stoff für eine Kurzgeschichte. Noch nicht mal für ein Telefongespräch. Oder hat Sie schon einmal jemand nur mal eben so angerufen, um zu erzählen, dass er zufrieden ist?

Eigentlich schade. Denn viel zu oft hören wir Geschichten von Unzufriedenheit, über Ärger und Probleme. Ganz schön belastend. Dabei haben wir hier doch die besten Voraussetzungen, um zufrieden zu sein. Wir müssten nur zugreifen. Tun wir aber nicht. Jedenfalls nicht so oft, wie wir könnten. Ich glaube, uns fehlt da einfach ein wenig die Übung. Oder der bewusste Blick über den bekannten Tellerrand hinaus.

Genau hingucken bringt’s!

Dabei genügt es aber nicht nur so mal einen Blick zu werfen. Man muss schon genau hinsehen, um die Wirklichkeit zu erkennen und sich nicht zu sehr vom Schein der schönen Fassade blenden zu lassen. Ich glaube nämlich, das tun wir allzu gerne. Dabei wusste schon der Kleine Prinz aus der Feder von Antoine de Saint-Exupéry vor mehr als sieben Jahrzehnten zu berichten „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Wenn wir also im neue Jahr etwas anders oder besser machen könnten, wie wäre es dann einfach öfter zu versuchen mit Herz und Verstand das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen? Das wäre sogar eine Veränderung, bei der ich dabei wäre und die ich irgendwie schon jetzt mag. Deshalb stelle ich diese Geschichte jetzt auch gleich online und lasse dafür meine Buchhaltung noch ein wenig warten. Weil mir dieser Gedanke wichtig ist – für ein zufriedenes neues Jahr.

Bild © Sabine Saldaña Bravo

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About Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.
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Über Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.

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