Luft nach oben

Schon wieder Berlin. Oder besser: endlich wieder. Diesmal im Wintergrau. Eine völlig neue Erfahrung. Da wirkt die Stadt ehrlicher, lichter. Total transparent. Kein frisches Grün täuscht über das Echte dieser Stadt hinweg. Das muss man mögen, vor allem, wenn man wie wir aus dem scheinbar schönen Bayern kommt. Dem Schicki-Micki der Nation. Dem sauberen Vorzeige-Bundesland. Vielleicht gefällt es mir gerade deshalb so gut in Berlin.  20170205_124255Jedenfalls an manchen Stellen. Denn natürlich würde dieser Stadt ein wenig mehr Aufmerksamkeit gut zu Gesichte stehen. Mehr Achtsamkeit. Im Kleinen wächst da Wunderbares. Wie schön, dass ich es entdecken durfte. Natürlich mit meiner Familie. Das hatte ich jetzt fast vergessen: Sie ist ja der eigentliche Grund für Berlin, für meine ganz persönliche Freude und immer wieder ein Fest und diesmal auch für ziemlich viel „gucke mal“ … 

Auf zum Entern: Happy Birthday

Um es kurz zu machen: Die Piñata hat am Ende alle an ihre Grenzen gebracht. Die Kinder im Piratenlook waren zwar allzeit zum Entern bereit, aber nach 3 Stunden Kinder-Party schon recht schwach mit dem Schwert. So musste es der Papa richten: Immer drauf auf den bunten Esel mit der süßen Füllung. Bis zum bitteren Ende: Kopf ab. Schaka! So soll es sein. Jetzt nur noch die Schätze bergen, die da aus dem Eselskorpus purzelten. Pinata„Gucke mal …“. Wie stolz die Kinder ihren Eltern ihre Beute präsentierten: herrlich. Die Sache mit dem stolz auf etwas ein, etwas geschafft zu haben. Dies Strahlen in den Augen. Der totale Kontrast zu der Tristesse da draußen. Dem kalten Wind, der einem um die Ohren peitscht, wenn man zur U-Bahn-Station geht. Eigentlich kaum zu glauben, wieviel Gutes wächst, obwohl es draußen so furchteinflößend scheint. Oder weil? Denn eins muss ich schon sagen: Die Berliner sind nett. So unglaublich nett. Und der Münchener? Der ist so grantig. So unglaublich mies drauf und gar nicht hilfsbereit. So unzufrieden. So satt in seinem blank polierten sauberen Dahoam. Er ist so viel ICH und so wenig WIR. Und das ist so schade. Gerade weil es uns hier in Bayern doch so gut geht und wir die besten Voraussetzungen für ein wenig mehr WIR hätten. Sakradi!

Nachhaltig schön: Was für ein Plan!

Der Tag danach: Die Besichtigung eines Kleinods. Mitten in Berlin ein starkes Stück Illusion und Zeitgeschichte. Ein Riesengelände, authentisch belassene Bauten, die Stück für Stück nachhaltig saniert werden sollen. Finanziert durch Vermietung und Verkauf, durch Feste und  immer wieder durch Bewusstsein. In München hätten wir den kompletten Kasten abgerissen und teure Loftwohnungen draufgebaut. Schnelles Geld eben. Das geht mich Nachhaltigkeit nicht. Die muss wachsen. Auf dem Fundament der Überzeugung. Schwierig im Land der glücklichen Melkkuh. Deshalb ist hier auch ein Areal for the people wie das Tempelhofer Feld nicht denkbar. Was man damit verdienen könnte! 20170205_134320An Euros, nicht an Lebensqualität. Die kauft man sich dann halt woanders noch dazu. Mein Gott. Das muss ich doch auch rechnen. Ja was denn? Mein Glück? Meine Zufriedenheit? Mein Lachen? Rechnen? Was sich rechnet sind die vielen hundert Menschen die trotz dichtem Neben diese Freiheit, diese Weite des ehemaligen Flughafengeländes genießen. Zum Radfahren, Fußballspielen, Spazierengehen, Joggen. In friedlicher Koexistenz. Wie cool ist das denn! Und wie lange geht das noch gut? Die Politik hat andere Pläne. Oder die Wirtschaft? Was wir machen können? Mei, der Bayer sagt in so einem Falle auch mal was Richtiges: Schau ma mal.

 

Bilder © Sabine Saldaña Bravo

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About Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.
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Über Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.

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