MINI. MAL. IST. Kapitel 2: Wie bleibt Frau dran am Mann?

Es sind also ein paar Jährchen ins Land gezogen: mein Gabriel kann praktisch schon alles alleine, außer Mathe. Und ich bin durch recht außergewöhnliche Umstände zu meinem Sepp IMG_0613gekommen.

Diese möchte ich, um schlimme Erinnerungen an meinen ebenfalls außergewöhnlichen Ehrgeiz, hier nicht unnötig weiter erläutern. Denn viel spannender und arbeitsintensiver war es in den letzten Jahren den Zustand des 1. Verliebtseins. 2. Glücklichseins und 3. Entspanntseins aufrecht zu erhalten oder zumindest einmal anzudenken.

Man muss mich jetzt nicht persönlich kennen, um zu wissen, das 1. und 2. ja schon aus tiefenpsychologischer Sicht A. nicht machbar und B. nicht wünschenswert seien (sagt man). Aber es hilft schon, Frauen an sich zumindest schon einmal gesehen zu haben, um sich ein Bild davon machen zu können das Ad 3 – also der Zustand des Entspannt seins – in der Regel höchstens nach einem gelungenen Schuhkauf oder einem vergleichbaren positiven Erlebnis (Für Männer: Hier ist nicht der Kauf von Sicherheitsschuhen gemeint!) wie etwa der Verlust von 2 Kilo Lebensgewicht um den Bauch- oder Hüftbereich, eintreten kann.

Ich bin jedenfalls seit nunmehr fünf Jahren in einer festen Beziehung, habe einen Partner oder einen Lebensgefährten. „Ich habe einen Freund“, klingt irgendwie, als ob ich 13 wäre. Und das bin ich selbstverständlich nicht. Nie.

Dass es so weit kommen konnte, ist nicht ausschließlich mein Verdienst. Um ehrlich zu sein, bin ich wahrscheinlich eher weniger aktiv daran beteiligt, dass wir uns noch ein Paar nennen dürfen. Denn meine Erwartungen an das Verliebtsein und das Objekt meiner Begierde seien – O-Ton mein Lebensgefährte Sepp – „deppad“, „direkt ausm Sissi-Fuim klaut“ und manchmal auch „krass überdraat“.

Das sehe ich selbstverständlich nicht genau so. Aber, ich habe mir natürlich auch so meine Gedanken über die Seinszustände 1 bis 3 gemacht. Und bin zu folgenden Ergebnisse gekommen:

  1. Verliebt sein ist wie verdammt, verzwickt und verrückt sein

Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen so ist, aber bei mir wirkt sich das Verlieben immer sehr positiv auf meine Figur und meinen Teint aus. Das Kribbeln im Bauch mischt meine Nahrung derart vorteilhaft zusammen, dass ich in diesem Stadium praktisch alles essen kann was ich will – wenn ich will. Denn komischerweise habe ich keinen Appetit – jedenfalls nicht auf Essen – noch nicht mal auf Spaghetti oder Schokolade. Und das ist echt irre, denn eigentlich geht bei mir ohne Essen nichts. Ich bekomme in der Regel schon zwei Stunden nach dem Frühstück, dem Mittag- und dem Abendessen spürbar Unterzucker.

So kann ich natürlich nicht arbeiten und mit mir reden braucht man dann eigentlich auch nicht. Außer man hat gerade einen Anti-Aggressionskurs belegt und muss sich als Hausaufgabe provozieren lassen – und natürlich super-lässig reagieren, wenn man das „Ich-bin-jetzt-die-Ruhe-selbst-Zertifikat“ für die Kursgebühr von 980,00 Euro zzgl. MwSt. und inklusive einer Familienpackung Muscle-Relax Pastillen haben will.

Ich esse also gerne und regelmäßig. Nur nicht wenn ich verliebt bin. Das war schon immer so. Vielleicht habe ich mich deshalb schon als Teenager öfter als die anderen Mädchen in meinem Freundinnenkreis verliebt. Die hatten auch nicht so viel Zeit wie ich. Die mussten Tennis, Klavier oder Volleyball spielen. Dafür hatte ich wiederum keine Zeit. Ich musste Markus, Steffen und Michi hinterherspionieren. Schließlich brauchte ich ja einen Grund um mich zu verlieben. Außerdem wollte ich keinen Sport machen und trotzdem schlank sein.

Das Figur schmeichelnde Kribbeln regt jedenfalls auch seit Kindertagen meine Durchblutung heftigst an und verleiht mir sanfte Röte an den Bäckchen. Ich bin dann sozusagen mit mir und der Welt verliebt und meist sehr zufrieden. Und so ist es eine logische Konsequenz praktisch auf die Minute genau zu wissen, wann Schluss mit dem Verliebtsein ist – nämlich dann, wenn die Hose am Bund wieder zwickt und mein Teint wieder leichte Mehlschattierungen annimmt. Dann bleibt meist nur die Hoffnung, dass das Objekt der Begierde

  1. noch im Kribbel-Dämmer-Zustand weilt und Proportionen wie Farben noch nicht exakt zuordnen kann.
  2. ist, wie mein Sepp.

Da hab ich also Glück gehabt. Von Anfang an. Seitdem wir uns kennen, nimmt Sepp mich, wie ich bin, mit Humor und stets mit einer Fassung, die mich oft aus derselben bringt. Das alles irgendwie unaufgeregt, nicht wirklich romantisch – im klassischen Sinn – dafür aber beständig. Und ich glaube, dass ich irgendwann aufgegeben habe, ihm das komplette Werk von Rosamunde Pilcher auf DVD und als Taschenbuch-Edition unterzujubeln sowie die bei ebay für ein VERMÖGEN ersteigerten „Zehn Tipps für ein romantisches Liebespicknick“ wieder an mich genommen habe, sind gute Gründe dafür, dass wir gar nicht so selten Stufe 2 erreicht haben – das Glücklichsein.

  1. Glücklich sein ist ja immer auch eine Frage der Perspektive

So kommt es, dass mein Sepp irgendwie ziemlich oft glücklich zu sein scheint. Und dies exakt in dem Moment, wo ich ihm gerade die Pest an den Hals oder sonst wohin wünsche. Zum Beispiel wenn er hinter dem Bildschirm seines PCs die Zeit – und mich – vergisst oder wenn er wichtige Entscheidungen ohne mich trifft. Nicht nur einmal, wollte ich mich nach dem duschen und nur mit meinem Bademantel bekleidet zu ihm gemütlich auf die Couch kuscheln – jedenfalls so lange, bis ich bemerkte, dass das da schon Erwin und Klaus mit je einem Bier in der Hand saßen, Fußball guckten – und dabei glücklich waren!

Trotzdem gab es sie, die Momente, in denen wir als Paar zusammen glücklich waren. Das Komische ist: Ich kann diese Momente nicht so genau definieren. Ich weiß einfach nur, dass sie da waren: als wir als letzte Gäste bei Sonnenaufgang eine Party und die dazugehörige Tanzfläche verlassen haben, als wir im Urlaub stundenlang schweigend nebeneinander saßen, lasen und stumm aufs Meer blickten, als Gabriel schon wieder mit einem platten Reifen nach Hause kam und Sepp ihm zum hundertsten Mal geduldig zeigte, wie man den Schlauch flickte. Da war so viel kleines Glück, dass es in Summe schon auf ein prinzipielles Glücklichsein hinauslaufen könnte. Auch wenn damit noch lange nicht gemeint ist, dass wir es auch bis ins höchste Level der Liebe schaffen werden – das Entspanntsein.

  1. Entspannt sein hat ja so rein gar nichts Kreatives

Mal ehrlich: Alle Worte mit „ent“ am Anfang haben für mich so etwas endgültiges: entschleunigen, entlaufen, entwürdigend, irgendwie schwingt da ein Hauch von Ende, aus, weg und vorbei mit. Deshalb halte ich es wahrscheinlich in allen Spas und Wellness-Oasen immer nur recht schlecht länger als fünf Minuten aus. Da soll ich so dringend entspannen und mich praktisch störungsfrei todstellen, dass ich schon wieder keine Lust habe. Unter Druck geht bei mir eben nichts. Auch nicht Garnichts.

Wenn ich mir nun vorstelle, meine Liebesbeziehung – also der Urquell der menschlichen Leidenschaft – soll entspannt sein, dann will ich sie nicht. Weil sie dann ja nur so rumliegt, wie tot.

Etwas Spannung darf in einer Beziehung ruhig sein. So stelle ich mir gezielte Akzente in Form ebenso herausragender wie dramatischer Szenen mit oder vor meinem Partner nicht nur vor – ich setze sie. Ebenso bringe ich auch gerne durch langatmige Grundsatzdiskussionen etwas Farbe in unseren Sonntag – sozusagen als Wellness-Kontrastprogramm.

Sepp und ich haben also den Zustand des Entspanntseins nicht erreicht. Und ich werde auch weiterhin gut und gerne alles geben, damit das so bleibt. Ich könnte Sepp zum Beispiel einmal wieder überraschen…

Fortsetzung folgt!

 

 

 

 

 

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About Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.
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Über Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.

Ein Gedanke zu „MINI. MAL. IST. Kapitel 2: Wie bleibt Frau dran am Mann?

  1. Rösi Bugatti

    Ich will mehr lesen – jetzt sofort….sonst raste ich aus und bin alles andere als entspannt! Bitte, bitte weiter schreiben….

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