Mit Schwund ist zu rechnen

Wir sitzen schon seit fast einer Stunde beim Frühstück in 1.800 m Höhe in der Hütte. Eigentlich wollten wir schon längst wieder auf den Mopeds sitzen und durch den Nationalpark Hohe Tauern fräsen. Tom tut seinen Unmut über die sinnlose Hockerei dadurch kund, dass er sich nicht mehr am Gespräch beteiligt und langsam seinen Kopf auf Gelis Schulter sacken lässt. Jetzt rutscht er auch noch demonstrativ seinen Stuhl herunter bis er vom Tisch eingeklemmt wird. Alle erhöhen den Blutdruck und werden hektisch, nur Tom nicht; der hat auf Standby geschaltet. DSC_0252

Nachdem wir ihn aus der Zwangslage zwischen Stuhl und Tisch befreit haben und er flach auf dem Boden liegt, verpassen Geli und ich ihm ein paar kräftige Watschn; sie zarter, ich stärker. Interessiert den Tom aber nicht wirklich, er ändert nur die Gesichtsfarbe von Normal auf Rot. Wenn er weiter keinen Muckser macht, sollte er bald Blau anlaufen. Deswegen versuche ich schon mal den Mund für eine Beatmung zu öffnen, aber der Kerl weigert sich; wenigstens die Kiefer- und Schließmuskeln funktionieren noch, ansonsten liegt er schlaff da, wie ein nasses Handtuch. Kurz bevor ich mir ernsthaft Sorgen mache und nachdem die Hüttenwirtin mit dem Handy in der Hand fragt ob sie den Hubschrauber rufen soll, kommt Tom wieder zu sich und fragt, warum er eigentlich auf dem Boden liegt.

Ist schon blöd, wenn die Hauptperson, um die sich alles dreht mal wieder nichts bekommen hat. Jedenfalls sind wir froh, dass Tom wieder unter den Lebenden weilt und er nicht als weiterer Ausfall dieser Tour zu beklagen ist. Da bis jetzt bei jeder Alpentour etwas kaputt gegangen ist, wissen wir, dass mit Schwund zu rechnen ist, aber der war immer technischer Natur. Und so sollte es auch bleiben. Jedenfalls ist ihm erstmal speiübel und nach einer weiteren kurzen Ohnmacht, sieht er auch ein, dass er heute beim Onkel Doktor besser aufgehoben ist, als auf dem Moped. Also fahren Burkhard, Geli und ich den Tom mit dem Auto runter zum Dorfdoktor wo Tom ein paar Pillen gegen die Übelkeit und den Rat mal zum Arzt zu gehen bekommt. Der Rest der Gang, Ralf, Andi, Markus und Schorsch, fährt inzwischen los. Zurück in der Hütte bleibt Sabine, die Freundin von Toms Frau Geli.

Beginn der Tour ist das traditionelle Grillen am Mittwoch bei Tom. Zusammen mit Markus, der erstmalig aus Frankreich zur Tour angereist ist und bei mir übernachtet, probieren wir uns durch Salate, Schnitzel und Spießchen. Verdünnt wird das alles mit verschiedenen Bieren und spätabends löst sich die Runde wieder auf, weil ja am nächsten Morgen um 8:30 Uhr Abfahrt ist. Tatsächlich sind alle pünktlich und wir kommen bei strahlendem Sonnenschein los. Auf der Rosenheimer Landstraße geht es Richtung Stephanskirchen und dann ab in die Pampa über Aschau und Kössen nach Österreich. Wegen Fronleichnam sind ein paar Straßen gesperrt und auch wir müssen zwangsweise Anteil an der einen oder anderen Prozession nehmen.

Heute ist ein herrlicher Tag. Der Sonne sticht in voller Pracht herunter, der Himmel ist stahlblau, der Rhythmus der Kurven ist beschwingt und der Geruch nach Heu auf den Wiesen geht direkt in die Hypophyse und die Glückshormone werden mit dem C-Rohr rausgeballert. Das Leben kann so schön sein; auch mit 8 PS.

In Saalfelden treffen wir uns mit Fritz, einem alten Spezi aus den Tagen des Erzbergrennens. 2008 haben er mit seiner KTM Comet (Platz 14) und ich mit Schorschs Hercules XE9 (Platz 5) am Erzbergrennen teilgenommen und jetzt nach sieben Jahren fahren die beiden Einsatzgeräte von damals zur nächsten Herausforderung, dem Großglockner.

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Inzwischen ist es brütend heiß, aber wegen dem großen Kühler an meiner Ultra bleibt die Motortemperatur im grünen Bereich. Wie jeder weiß ist der Großglockner alles andere als flach, eher steil. Also geht es zuerst im dritten, dann nur noch im zweiten Gang zum höchsten Punkt, die Edelweißspitze. IMG_1439

Dieses Jahr habe ich den RS3 Auspuff von Ralf Waldmann montiert. Das Teil hat ab 9.000 U/min richtig Druck und ich kann den 95 cm³ Motoren von Tom, Burkhard und Schorsch einigermaßen folgen. Selbst Andi und Markus mit ihren 6-Gang-Motor bleiben weit hinter mir zurück, weil ihre Gänge keinen Anschluss finden; von der Ultra II LC mit 5-Gang-Motor von Ralf ganz zu schweigen. Nun wird es der Ultra aber doch ganz schön warm. Die Warnlampe blinkt wunderschön rot und die Temperatur steigt auf 110°C an. Zu allem Überfluss rutscht mir in einer Spitzkehre auch noch der Vorderreifen weg und ich liege fast auf der Fresse. Trotzdem geht es mit 100% Einsatz weiter Richtung Gipfel. Oben angekommen sind auch schon alle Dickschiffe á la BMW K 1600 GT versammelt. Ungläubig betrachten sie unsere Asphaltschneider und zollen uns Respekt, dass wir damit hier rauf gefahren sind. Wenn die wüssten, wie wir wieder runter kommen würden, Kreise um ihre Immobilien ziehend, sie würden sofort das Motorradfahren aufgeben.

Weiter geht es zur Franz-Josef-Höhe, wo ein kühles Nass eingeworfen wird. Leider ist mein Motor alles andere als kühl und das Kupplungsseil zerlegt sich gerade selber. Zuhause habe ich das Teil noch kontrolliert, weil bei unserer ersten Tour sich zuerst das Gas- und später das Kupplungsseil verabschiedet hat und diese Schmach wollte ich unbedingt verhindern. Zudem habe ich auf dem Parkplatz plötzlich keinen Vortrieb mehr. In jedem Gang steigt die Drehzahl blitzartig an, aber die Geschwindigkeit nicht. Scheint so, dass das Kupplungsschleifen zwischen ersten und zweiten Gang die Reibscheiben komplett zerstört hat. Tja, mit Schwund ist zu rechnen, aber ein Totalausfall kotzt mich echt an. Doch Tom hat den richtigen Riecher. Die Ritzelmutter hat sich gelöst und das Ritzel dreht sich nun frei auf der Welle. Kurz festgezogen und der Vortrieb ist wieder gegeben. Nun zum Kupplungszug: In weiser Voraussicht habe ich einen Ersatz dabei. Als ich den Rucksack aufmache sehe ich schon die Bescherung. Die Ölflasche mit dem Zweitaktöl hat einen Riss und die Suppe ist in den Rucksack gelaufen. Wenigstens ist nun auch der Kupplungszug von außen gut geölt. Leider wurden eine Zeitlang Züge produziert die 10 mm zu kurz waren. Preisfrage: Was für einen Zug habe ich dabei? Dann würgen wir das Teil halt ohne Stellschraube hinein. Leider war der Zug durch die kaputte Ölflasche nur außen geschmiert, innen läuft das Seil pfurztrocken und bleibt hängen, somit schleift die Kupplung. Also wird jetzt ohne Kuppeln geschaltet; mal sehen wie lange der kleine Schaltkeil das mitmacht. Aber mit Schwund….Wo kommt denn daß Öl her

Während der Reparatur schwebt plötzlich der ÖAMTC-Hubschrauber ein und verschwindet im Gletscherfeld. Kurze Zeit später kommt er wieder mit zwei Menschen die 20 m unter ihm an einem Seil schweben zurück. Aha, eine Übung, denn wer wird so blöd sein und sich hier auf dem Präsentierteller in Bergnot begeben? Nachdem der Luftquirl eine der zwei Personen am Dach des Parkhauses abgesetzt hat, fliegt er schon wieder los und wiederholt die Übung mit einem anderen Versuchskaninchen. Später findet Fritz heraus, dass das keine Übung, sondern blutiger Ernst war. Ein Piefke (österr. für Deutscher) hat sich natürlich trotz Warnschildern ohne Ausrüstung ins Gletscherfeld gewagt, ist 20m abgestürzt und hat dann Halt an einem Felsen gefunden. Seine Frau hat dann freundlicherweise die Bergrettung angerufen und somit haben beide einen Freiflug 100 m über dem Boden hängend und eine Rechnung über mehrere Tausend Euro gewonnen. Glückwunsch!Hercules G8 Treffen, alles Safe

Nachdem wir den Glockner wieder runter-geprügelt sind, kommen wir endlich an der Abzweigung bei Rangersdorf zur Unterkunft an. Leider ist die jetzt noch 12 km von der Hauptstraße entfernt und da rauf ist es wirklich steil. Ohne Kupplungsschleifen kommt der zweite Gang nicht in den Leistungsbereich und mit Kuppeln greift die Kupplung nie ganz. Also wie blöd den ersten Gang drehen und dann ohne Kupplung den zweiten reinprügeln. Manchmal kriegt das Getriebe den Anschluss, meistens nicht. Dafür steigt wieder die Temperatur auf über 100°C. Oben angekommen bin ich wirklich sauer. Nachdem ich über einen halben Liter Wasser in den Kühler gekippt habe mache ich mich über den Kupplungszug her. Neben der Plastikölflasche habe ich noch eine kleine, dicke Glasflasche mit Zweitaktöl dabei. Damit will ich Öl in den Bowdenzug kippen, um ihn gleitfähiger zu machen. Natürlich gleitet mir diese Glasflasche aus der Hand und zerschellt auf dem Holzboden, auf dem ich die Ultra abgestellt habe. Hundertmal ist diese Flasche auf den Asphalt geknallt und nichts ist passiert. Aber hier am Arsch der Welt zerbricht das Teil. Langsam nervt der Schwund gewaltig. Ich versuche meinen Frust mit Bier und beim Abendessen mit Apfelstrudel zu ersticken. Auch deswegen wird der Abend lang und feucht.

Am nächsten Morgen checkt Tom wie beschrieben beim Frühstück erstmal aus, was Burkhard und mir einen entspannten Morgen in Winklern auf der Parkbank beschert und wir über Autos, Häuser und Scheidungen sinnieren können, während Geli mit Tom beim Arzt sitzt. Nach dem Arztbesuch fahren wir wieder den brutalen Anstieg auf die Hütte und bepacken die Mopeds zum Treffen mit der vorausgefahrenen Gruppe. Als ich einkuppeln will, endlich läuft der Kupplungszug geschmiert, habe ich schon wieder keinen Kraftschluss. Super; diese gottverdammte Ritzelmutter hat sich schon wieder gelöst. Also wieder ausziehen, aus dem Rucksack das Werkzeug ausgepackt und die Mutter wieder festgezogen. Ich liebe solche Tage! Jetzt geht es aber wirklich los. Weil der Berg so unsagbar steil ist, lasse ich die Ultra einfach im Leerlauf runterrollen. Damit kann man am besten das effizienteste Bremsen üben, denn wenn man nur durch die Schwerkraft nach der Kurve beschleunigen kann, merkt man erst, wieviel man unnötig vor der Kurve gebremst hat. Vor einer Spitzkehre bremse ich dann doch etwas zu wenig und rutsche in der Spitzkehre über beide Räder weg. Es ist unglaublich wieviel man denken kann, während man sich auf den Aufschlag vorbereitet. Noch während des Gedankens „Jetzt knalle ich zuerst mit dem Ellenbogen, dann mit dem Knie und zuletzt mit der Schulter auf die Straße“ fängt sich der Bock und es entwickelt sich ein Highsider „Jetzt knalle ich zuerst mit dem Kopf, dann der Schulter und dann mit dem Becken auf die Straße“. Da der Highsider mich doch nicht komplett aushebelt, fängt sich die Kiste wieder und ich rolle gemütlich weiter. „Leck mich fett! Welch ein Glück, jetzt habe ich nur die Testikel am Tank angehauen!“ Da ich mich gerade scheiden lasse, brauche ich die Dinger eh nicht.

Unten angekommen werfe ich den Motor an und fahre mit Burkhard durch Winklern über den Penzelberg Richtung Lienz. Überraschenderweise steigt schon wieder die Wassertemperatur in den roten Bereich. Gut, mit dem Waldmann Auspuff dreht die Kiste wie die Hölle und Burkhard ist mit fast doppelt so viel Hubraum nicht viel schneller als ich, aber der Auspuff kann nicht der Grund für die erhöhte Temperatur sein! Entweder ist das Thermostat im Eimer oder die Wasserpumpe hat die Grätsche gemacht. Nach der Gailbergstraße treffen wir auf der B111 die Voraustruppe auf einem Parkplatz. Die waren in der Zwischenzeit beim Kaffeetrinken und Baden am Weißensee. Burkhard verkündet das medizinische Bulletin von Tom und ich fülle den Kühler wieder mit Wasser auf. Da Mittag schon fast vorbei ist, suchen wir uns einen Platz für ein kleines Mittagessen. Wir finden ihn in einer Tankstelle mit angeschlossener Mikrowellenküche.

Nach dem Essen will ich mein Thermostat ausbauen, weil ich es für den Grund der hohen Motortemperatur halte. Leider ist aber keins mehr drin! Das Teil habe ich schon vor oder zu Beginn meiner Demenz ausgebaut. Also ist die Wasserpumpe im Eimer und die Kühlung funktioniert nur noch nach dem Thermosyphonprinzip; das warme Wasser steigt nach oben und das kalte sucht sich irgendwie den Weg nach unten. So die Theorie. Jetzt muss ich die Warnlampe halt ignorieren und bei jedem Halt den Wasserstand kontrollieren. Wenn es die Kiste zerreißt, sind wir wieder beim Motto unserer Touren: Mit Schwund ist zu rechnen! Aber wenn die Mühle das nicht aushält, hätte es kein 50er werden sollen. Beim Tanken checke ich noch kurz den Reifendruck: 3,0 bar; kein Wunder, dass die Reifen lebensgefährlich wegrutschen. Nur eine Heckler&Koch führt sicherer zum Tod.PICT0060

Weiter geht die Fahrt durch das Lesachtal nach Hollbruck. Das Lesachtal ist eine wunder-hübsche kleine Straße, die sich oben am Berg entlang-mäandert. Die heiße Fahrt endet jedoch, als wir auf ein Polizeiauto auflaufen. Kruzifix, jetzt müssen wir langsam und leise fahren. Die Exekutivorgane haben jedoch ein Einsehen und fahren mal rechts ran, so dass wir überholen können. Leider verliert ein paar Minuten später Burkhard fast seinen Reservekanister, wir bleiben stehen und die Polizei ist wieder vorbei. Gleiches Spiel von vorne, wir laufen auf, sie bleiben stehen, wir fahren vorbei, Burkhard schmeißt den Kanister jetzt komplett über die Straße, der Schnittlauch überholt uns schon wieder. Jetzt steckt Burkhard den Kanister endlich in seinen Rucksack und wir überholen zum dritten und letzten Mal die Polizei. Die werden sich auf ihren Teil über die depperten Piefkes mit ihren Mopeddeln denken. Leider ist der schmale, kurvige Pass auch mal zu Ende und wir fahren über die E66 wieder zurück nach Lienz.

Über den Iselsberg, Winklern und Rangersdorf geht es wieder nach Marterle den steilen Anstieg zu unserer Unterkunft. Jetzt habe ich mal die Pluspunkte auf meiner Seite; die Kupplung arbeitet so wie sie soll, der Waldmann-Auspuff bringt mächtig Leistung und der Reifendruck ist im grünen Bereich. ATTACKE!!! Leider macht Andis 6-Gang-Motor wieder dieselben Geräusche wie bei der letzten Tour zum Stilfser Joch. Dort verabschiedete sich der Primärtrieb mit fortgeschrittener Parodontose. Da jetzt ein Neuteil den Geist aufgibt, drängt sich die Vermutung auf, dass nicht die Zahnräder Schuld am Defekt sind, sondern eine der beiden Wellen einen Schlag hat und somit den Zahnrädern den Gar ausmacht. Der Motor wird nach der Rückkehr wieder dem Clubberer (der Schrauber vor dem Herrn) auf die Werkbank gestellt und der kann dann die genaue Fehleranalyse machen.

Geli und Sabine waren Wandern und Tom hat den ganzen Tag bei der Hütte Nase gebohrt ohne weitere Ausfallerscheinungen. Am Abend wird noch ein bisschen Kühlwasser aufgefüllt und die anderen erledigen noch ein paar kleinere Wartungsarbeiten an ihren Asphaltschneidern. Beim Abendessen ordern wir noch als Nachspeise Kaiserschmarrn für 5 Personen, weil das der Nachbartisch am Vorabend hatte und die nach dem Verzehr nicht mehr das Grinsen aus dem Gesicht bekamen. Doch gibt es Diskrepanzen im Verständnis was die Größe einer Portion angeht. Nach dem dritten Nachschlag ist die Pfanne immer noch zu einem Drittel gefüllt und wir mehr als pappsatt. So geht der Rest als Geschenk an den Nachbartisch, der sich recht herzlich dafür bedankt.

Nach der letzten Nacht wird am Morgen nach dem Frühstück im Freien wieder aufgepackt und der Heimweg über den Felbertauern angetreten. Am ersten Anstieg geht Tom der Motor aus; Spritmangel. Leider haben die Benzinhähne, die er montiert hat, keine Reservestellung aber Burkhard dafür einen Reservekanister. Bis zur nächsten Tankstelle kommen wir im Cruisingmodus. Da tanken wir alle nochmal auf und ab geht’s Richtung Felbertauern. Leider haben sämtliche Wohnmobilfahrer die gleiche Idee. Aber irgendwie schaffen wir es die eine oder andere rollende Straßensperre zu überholen und kommen oben an der Mautstation vor dem Tunnel an. Jetzt geht’s bergab und mit Überdrehzahl rauscht meine Zwiebacksäge auf 107 km/h. PICT0059Die Wassertemperatur schaue ich mir lieber gar nicht an. In Mittersill biegen wir Richtung Gerlos ab um besagten Paß zu fahren. Der ist zwar für Fahrzeuge über 2,5 t gesperrt, was aber die Wohnmobilfahrer überhaupt nicht interessiert; zwar eine Mörderkohle für die Panzer ausgeben aber keine 5 € für die Mautstraße haben. Während wir am Ende des Passes kurz stehenbleiben bildet sich unter Burkhards Sportbike eine Benzinpfütze. Mit diesem Defekt hat er den Vogel abgeschossen. Das Überlaufröhrchen in der Schwimmerkammer ist abgebrochen. Diesen Defekt hatte noch niemand und niemand hat auch jemals gehört, dass so etwas passieren kann. Mit tausend Tricks, eine neue Schwimmerkammer hat ja niemand dabei, wird das Teil repariert und es geht weiter durch das Zillertal Richtung Achensee. Weil der Motor undefinierbare Geräusche von sich gibt, prüft Burkhard bei der nächsten Tankstelle das Axialspiel des LiMa-Rotors. Uhps, der hat ja eines! Ja, mit Schwund ist zu rechnen. Deswegen geht es jetzt langsamer Richtung Heimat, vielleicht schafft es die waidwunde Kiste noch nach Hause. Leider sind ein paar Kilometer weiter die Leistung weg und die Stimmung am Nullpunkt. Jetzt greift Plan B. Wozu hat man einen Rüstwagen auf die Tour mitgenommen? Die Mädels werden per Handy wieder von der deutschen Grenze zurückgepfiffen und das Sportbike in den Subaru eingeladen. PICT0054Mit viel Improvisation passt tatsächlich das ganze Gepäck wieder in den Wagen und Burkhard fährt mit Klimaanlage nach München, während wir in der Nachmittags-sonne Liter um Liter Schweiß verlieren. Endlich kommen wir am Achenpass an der deutschen Grenze an. Weil gerade G7-Gipfel ist, wurde die Grenzkontrolle wieder aktiviert und der suspekte 3er-BMW vor mir einer hochnotpeinlichen Befragung unterzogen. Endlich darf auch ich, ohne Befragung, über die Grenze. Sowas Peinliches wie ich hat sicher nichts Böses im Sinn. Warum machen die Töpfer ihren Scheißgipfel nicht einfach auf einem US-Flugzeugträger vor Hawaii? Auf dem Teil ist Platz ohne Ende, schippert sowieso sinnlos in der Gegend rum und man spart sich 30.000 Polizisten zur Bewachung der Weltelite.

Ab jetzt geht es ratzfatz am Syvlensteinspeicher über Bad Tölz, Deisenhofen und Oberhaching wieder zurück zu Toms Haus, wo Geli und Burkhard schon warten. Schnell wird noch Kaffee gekocht, ein paar Kaltgetränke inhaliert und das Gepäck aus dem Auto auf die Besitzer verteilt. Nur das Sportbike bleibt traurig im Auto zurück, weil das noch mit dem Burkhard noch die Heimreise nach Erding antreten muss. Langsam löst sich die Gesellschaft auf und alle sind sich einig, dass wir nächstes Jahr wieder in die Alpen losrauschen. PICT0056Doch vorher werden noch die Verluste addiert: Tom: zweimal Ohnmacht, Ritchie: Kupplungsseil, Wasserpumpe, verölter Rucksack, zerbrochene Ölflasche, Andi: Primartrieb, Burkhard: Schwimmerkammer, Pleuel/Kurbelwellenlager. Das wär’s. Gar nicht mal so schlimm, eher lächerlich. Denn mit Schwund ist ja zu rechnen.

Bilder © Richard Rotsch

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About Richard Rotsch

Midlifecrisis geplagter Endvierziger mit Hang zu altersuntypischen Freizeitbeschäftigungen („Es ist nie zu spät für eine glückliche Jugend!“). Als Kopfmensch bei einem oberbayerischen Luftfahrtzulieferer was gibt es da Schöneres, als mit seinen eigenen Händen alten Motorrädern oder Mopeds wieder zu neuem Glanz zu verhelfen um danach auf der Straße oder Rennstrecke die Kisten wieder richtig fliegen zu lassen? Und wenn ich mal nicht bis zu den Ellenbogen im Öl oder Rost versunken bin oder mit dem Knie den Asphalt streichle, dann mähe ich meinen Rasen, schneide die Hecke oder versuche sonst irgendwie den Tag rumzubringen; wenn’s geht auch mit Extreme-Couching!
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Über Richard Rotsch

Midlifecrisis geplagter Endvierziger mit Hang zu altersuntypischen Freizeitbeschäftigungen („Es ist nie zu spät für eine glückliche Jugend!“). Als Kopfmensch bei einem oberbayerischen Luftfahrtzulieferer was gibt es da Schöneres, als mit seinen eigenen Händen alten Motorrädern oder Mopeds wieder zu neuem Glanz zu verhelfen um danach auf der Straße oder Rennstrecke die Kisten wieder richtig fliegen zu lassen? Und wenn ich mal nicht bis zu den Ellenbogen im Öl oder Rost versunken bin oder mit dem Knie den Asphalt streichle, dann mähe ich meinen Rasen, schneide die Hecke oder versuche sonst irgendwie den Tag rumzubringen; wenn’s geht auch mit Extreme-Couching!

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