Ich steh‘ auf Berlin

Ich hab’s mal wieder getan. Berlin. Das ist jetzt nicht nur so schnell mal dahingeschrieben. Berlin besucht man nicht. Berlin macht man. Einfach so. Anders geht’s nämlich gar nicht. Denn diese Stadt ist so wenig arrogant, dass man schon fast Angst haben muss um sie und ihren Ruf als Hauptstadt. IMG-20150807-WA0011

Dabei gibt sie schon einiges, um Aufmerksamkeit zu bekommen: Sie hübscht ihre Einkaufspassagen auf, protzt mit einer gigantischen Glaskuppel am Regierungssitz (Vortäuschung von Transparenz?) und redet einfach mal nicht mehr über ihren neuen Flughafen. Aber sie gibt nicht alles – eben das macht sie so sympathisch, so natürlich, so lebens- und liebenswert. Doch von vorne …

 

Glück muss man haben, und Verwandtschaft in Berlin

Ich bin ja eher nicht so der Stadtmensch. Meine Wohnung in Schwabing habe ich zu Studentenzeiten exakt nach einem Jahr wieder gegen ein Apartment im Umland eingetauscht. Wenn ich reise, dann an Seen und ans Meer – eher selten in eine Stadt. Und dann kam Berlin. Der erste Besuch: verhalten, schüchtern gar als Touristin in einer Gruppe. Allerdings einer besonderen. Tolle Tour. Als Rahmenprogramm noch Potsdam und Spreewald. Alles bei schönstem Herbstwetter. Kann man machen.

Dann der erste Besuch bei meiner Schwester mit Mann und Kind. Gemeinsam mit meinem Sohn. Ohne Untertreibung: eine Offenbarung. IMG-20150807-WA0002

Da verstecken sich Kieze, die daher kommen wie eine Reality Soap – nur eben realer. Da spenden Bäume Schatten, wo man noch nicht mal Sonne erwartet hätte. Da werden Denkmäler erhalten, einfach, weil die Bürger das so wollen. Da dreht sich nicht alles nur um den schönen Schein, aber alles um das beste Sein, das eben gerade geht. Fast schon philosophisch zeigt sich jeder in seiner eigenen Mode. Die ergibt sich einfach. Weil hier jeder so sein darf, wie er will. Niemand muss sich hier erfinden, um zu gefallen, aufzufallen, sondern weil er es will. Und: keiner hat es eilig. Das ist es, was mir am meisten zu denken gegeben hat: Man kann auch gehen ohne zu rennen. Dabei läuft auch hier die Zeit, aber in einem anderen Rhythmus.

So grün, so bewusst, so kontrastreich, so Berlin

Es ist das natürliche Spiel der Gegensätze, das in Berlin schon fast freundschaftlich nebenher geht und steht. Heruntergekommene Häuser ragen stolz neben renovierten Immobilien heraus. Neubau schmiegt sich an Altbau. Und dann immer dieses viele satte Grün. Ohne scheint es in Berlin nicht zu gehen. Dabei wird jede Grünfläche genutzt, zum Leben, zum Chillen, zum Abhängen, zum Spielen – nicht zum Ansehen. In den Straßen, auf den Balkonen und sogar auf den Dächern: grün.IMG-20150809-WA0007

Neben dem Grün dann der Charme der kleinen Kneipen. Jede anders, die meisten wie kleine Geheimnisse fast zauberhaft gestaltet. München dagegen ein Armutszeugnis des Interieur Designs. Öder Einheitsschick für durchgestylte Langweiler von der Stange. Dann schon lieber durchgeknallte Berliner Individualisten mit einem leicht übertriebenen Hang zu allem was irgendwie öko ist. Kann man mögen, muss man aber nicht. Eben.

Wäre ich 20 Jahre jünger, ich würd‘ s machen: Sachen packen. Berlin. Altbauwohnung in Neukölln. Blumen auf den Balkon was geht. Und dann? Leben und leben lassen.

Fotos © Sabine Saldaña Bravo, Nina Straßgütl

 

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About Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.
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Über Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.

2 Gedanken zu „Ich steh‘ auf Berlin

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