Tempo 30 in Erding – jetzt aber mal „oba vom Gas“!

So, jetzt ist sie da. Die ultimative Verkehrsentzerrungs- und Wir-haben-uns-wieder-alle-lieb-auf-den-Straßen-von-Erding-Lösung: Tempo 30. IMG_0606

Dies alles auch, um die Radfahrer in der neu-gedachten Radl-Stadt Erding todsicher durch den Verkehr zu bringen, das Leben in der Stadt zu entschleunigen und die Verkehrsteilnehmer ein wenig auf den rechten Weg zu bringen. Was uns das alles kostet, wissen wir auch: einen Haufen Geld, bewusst herbeigeführte Staus und kaputte Felgen von tückisch eingefädelten Stolperbordsteinen. Was wir dabei gewinnen können, wird so mancher Neologismus sein – auf Deutsch eine „Wortneuschöpfung“. Als Ergebnis des gegenseitigen Verfluchens von Radlern, Autofahrern und Fußgängern.

Es könnte so einfach sein – ist es aber nicht

Dabei könnte es echt einfach sein, das mit der Toleranz und der Verkehrsentzerrung und vielleicht auch mit dem Freundlich sein auf den Straßen. Und zwar, ich sag das wirklich ungern, wenn wir von unseren österreichischen Nachbarn lernen würden. Die haben noch so etwas Altmodisches wie eine Verkehrsüberwachung durch Polizeipräsenz auf ihren Straßen. Dabei verdient der Staat und Raser & Co. werden im wahrsten Sinne des Wortes eingebremst. Dies am Ortseingang, am Ortsausgang und manchmal auch noch mittendrin. Eigentlich clever! Und uneigentlich auch. Denn, mal ganz ehrlich: Wie sehr halten wir uns an Verbote, wie zum Beispiel eine Tempobegrenzung, wenn’s eh keiner überwacht? Kurz nachdenken. An die Nase fassen. Eben! Gar nicht!

Spaßig und state of the art der Klassiker: Die Benutzung der Warnblinkanlage, wenn Frau nur mal schnell ein paar Schuhe kaufen will und dafür in zweiter Reihe parkend, den Verkehr blockiert. Auch nett, das langsame Dahinschlendern mit dem PKW, weil gerade ein unheimlich wichtige WhatsApp getippt werden muss. Nahezu brillant, das rücksichtslose „ich will Spaß, ich geb` Gas“-Gerase PS-starker Mental-Halbwüchsiger mit viel Wumm-Wumm aus der Musikbox im Auto und aufgetunten Brumm-Brumm aus der integrierten Original-Porsche-Sound-Machine.

Wer all dies einmal live erleben möchte, der sei herzlich eingeladen, in die Innenstadt unseres altbayerischen Kleinods – in der ja offiziell seit vielen Jahren bereits Tempo 30 gilt. Diese Einladung gilt zu jeder Tages- und Nachtzeit – vorausgesetzt, der Weg dorthin ist frei und nicht von rechts und links von wild parkenden LKWs oder Lieferservice-Sprintern (gilt für die die StVO eigentlich noch?) schon eingenommen – natürlich mit aktivierter Warnblinkanlage. Fangfrage: Wofür war die nochmals da?

  1. Zum Telefonieren im Auto, parkend auf dem Radweg oder Zebrastreifen.
  2. Zum kostenlosen Parken in zweiter oder dritter Reihe.
  3. Zum Make-up-Auffrischen.
  4. Im Notfall bei einer Autopanne oder einem Personenschaden.

Achtung: nur eine Antwort ist richtig!

Ganz ehrlich: Ich hatte mir nicht nur einmal überlegt, einen Warnblinkanlagen-Telefonierer bzw. Spaßstraßenblockierer einfach mal hektisch aus seinem Wagen zu reißen, in die stabile Seitenlage zu werfen, um ihn dann Mund-zu-Mund zu beatmen. Nur mal so, und nur, um freundlich in Erinnerung zu bringen, welche Signale so eine Warnblinkanlage eigentlich sendet.

Nur Bares ist Wahres

Und weil das Fragen gerade so schön ist: Wie oft glauben Sie, würden Sie wie irre durch die Innenstadt rasen, wenn Sie sofort dabei gestoppt und zur Kasse gebeten würden? Wir oft würden Sie in zweiter Reihe parken, wenn ein Verkehrspolizist daneben steht? Dabei ist nicht die Rede vom betriebsblinden Parksünder-Jäger, sondern von einem richtigen Polizisten auf der Jagd nach richtigen Verkehrssündern. Wie oft, würden Sie sich an die bestehenden Regeln halten, wenn Sie wüssten, diese würden kontrolliert werden? Immer. Ist doch klar. Und ist doch ganz einfach.

Mein Konzept also wäre: Kontrolliert die Regeln, die wir bereits haben und gut ist. Für alle. Das schont die Kassen und wir Verkehrsteilnehmer müssen uns nicht mehr gegenseitig verfluchen. Anwohner könnten wieder ruhig schlafen, weil sie nicht durch die Stolperstein bedingten Abbrems- und Anfahrmanöver oder lustige und lärmende Kopfpflastersteine gestört würden und auch Besucher unserer schönen Stadt würden gewahr, dass die Münchner Straße kein Autobahnzubringer in die Dachauer Straße ist. Außerdem wüsste ich dann wieder, wie ein Polizist überhaupt aussieht. Ich habe in Erding seit Jahren keinen mehr gesehen.

 

Bildrechte: Sabine Saldana Bravo

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About Sabine Saldaña Bravo

Lesen war und ist meine Leidenschaft. Zum Schreiben bin ich erst über Umwege gekommen. Wenn ich mal nicht schreibe – was schon beruflich bedingt recht selten ist – tanze ich gerne Salsa und lese – mal wieder. Alles, was mir in die Quere kommt. Deshalb bin ich am allermeisten auf Eure Geschichten hier gespannt! :-) Ach ja: Mein täglich Brot verdiene ich mir als Texter oder besser als Texterin für Werbetexte rund um Erding und München.
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Über Sabine Saldaña Bravo

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