Archiv für den Autor: Richard Rotsch

Über Richard Rotsch

Midlifecrisis geplagter Endvierziger mit Hang zu altersuntypischen Freizeitbeschäftigungen („Es ist nie zu spät für eine glückliche Jugend!“). Als Kopfmensch bei einem oberbayerischen Luftfahrtzulieferer was gibt es da Schöneres, als mit seinen eigenen Händen alten Motorrädern oder Mopeds wieder zu neuem Glanz zu verhelfen um danach auf der Straße oder Rennstrecke die Kisten wieder richtig fliegen zu lassen? Und wenn ich mal nicht bis zu den Ellenbogen im Öl oder Rost versunken bin oder mit dem Knie den Asphalt streichle, dann mähe ich meinen Rasen, schneide die Hecke oder versuche sonst irgendwie den Tag rumzubringen; wenn’s geht auch mit Extreme-Couching!

Mit Schwund ist zu rechnen

Wir sitzen schon seit fast einer Stunde beim Frühstück in 1.800 m Höhe in der Hütte. Eigentlich wollten wir schon längst wieder auf den Mopeds sitzen und durch den Nationalpark Hohe Tauern fräsen. Tom tut seinen Unmut über die sinnlose Hockerei dadurch kund, dass er sich nicht mehr am Gespräch beteiligt und langsam seinen Kopf auf Gelis Schulter sacken lässt. Jetzt rutscht er auch noch demonstrativ seinen Stuhl herunter bis er vom Tisch eingeklemmt wird. Alle erhöhen den Blutdruck und werden hektisch, nur Tom nicht; der hat auf Standby geschaltet. DSC_0252

Nachdem wir ihn aus der Zwangslage zwischen Stuhl und Tisch befreit haben und er flach auf dem Boden liegt, verpassen Geli und ich ihm ein paar kräftige Watschn; sie zarter, ich stärker. Interessiert den Tom aber nicht wirklich, er ändert nur die Gesichtsfarbe von Normal auf Rot. Wenn er weiter keinen Muckser macht, sollte er bald Blau anlaufen. Deswegen versuche ich schon mal den Mund für eine Beatmung zu öffnen, aber der Kerl weigert sich; wenigstens die Kiefer- und Schließmuskeln funktionieren noch, ansonsten liegt er schlaff da, wie ein nasses Handtuch. Kurz bevor ich mir ernsthaft Sorgen mache und nachdem die Hüttenwirtin mit dem Handy in der Hand fragt ob sie den Hubschrauber rufen soll, kommt Tom wieder zu sich und fragt, warum er eigentlich auf dem Boden liegt.

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21:0

Der Motor dreht seit über einer Minute kontinuierlich mit 9.500 Touren bei 23 km/h im ersten Gang , der zweite Gang findet bei 15% Steigung einfach keinen Anschluss, der Schneeregen prasselt in mein Gesicht und vermischt sich mit dem Nasensekret, das sich der Schwerkraft folgend den Weg Richtung Mund bahnt und arschkalt ist es auch noch. Was mache ich eigentlich hier? Bin ich denn total bescheuert?

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Gut, Ozzi Osbourne ist auch bescheuert und beißt deswegen Fledermäusen den Kopf ab. Da macht mir Mopedfahrern doch mehr Spaß und hinterlässt nicht so einen faden Geschmack im Mund. Bei diesem Gedanken kommen mir gerade wieder der Rotz und der Schneeregen in den Sinn. Trotzdem kämpfe ich mich weiter zur Passhöhe des Stilfser Jochs hoch.

 

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